Laundry day, Einweihungsfeier, eine Zeitmaschine und Studienstress - Aus dem Leben einer (fast) normalen ERASMUS Studentin

Dienstag, 12.02.2013

Also ich will hier als erstes einmal meine Ehre verteidigen: ihr wisst alle wie … strebsam und ambitioniert ich sein kann in Sachen Lernerei. Und auch hier habe ich (man mag es kaum glauben) neben den ganzen Feiern und Ausflügen… Unistress.

Das schwedische Studiensystem ist nämlich von Grund auf anders als das Deutsche. Das Semester setzt sich aus fünf Teilabschnitten à vier Wochen zusammen. In jedem einzelnen Studienabschnitt wird ein einzelner Kurs abgehandelt, das heißt die ganzen Studienarbeiten können intensiver bearbeitet werden. Ich finde dieses System viel besser als unser Deutsches, denn es hat viele Vorteile, aber der Nachteil ist, dass man innerhalb dieser vier Wochen die ganze Arbeit konstant machen muss. Momentan ackern wir uns in unserem Intercultural Communication Seminar (ich bin nur noch genervt von diesem Kurs und auch hier der Vorteil à nach 4 Wochen ist man durch damit!) durch folgenden Arbeitsberg:

-         Eine Buchzusammenfassung unserer Pflichtlektüre

-         Ein Seminar-Tagebuch schreiben (jeden Tag muss ein unglaublich brillanter Gedanke aufgeführt werden)

-         Wir müssen 10 Artikel zusammenfassen und präsentieren

-         Wir müssen ein Kunstwerk zu unserem Verständnis zum Thema „Zeit“ verfassen (ich werde eine Zeitmaschine bauen)

-         Und einen Roman analysieren

Also bitte: ja ich studiere hier auch, aber ich finde es durchaus lieb, wie ihr euch um meine grauen Gehirnzellen sorgt :D

Nächste Woche werde ich euch Fotos aus meiner Uni zeigen, damit ihr das auch mal seht.

 

Der Waschomat:

Ich habe jetzt offiziell die erste Woche in meinem Eigenheim verbracht und fühle mich immer wohler. Obwohl es auch einige Herausforderungen birgt, das alleine Wohnen: nachdem die erste Kleidungsration aufgebraucht war, musste ich mich der bisher "größten" Herausforderung stellen: Waschen! Ich habe in meinem jungen Leben schon öfters gewaschen, so ist es ja nicht-aber an die Wohnheims-wascherei habe ich mich noch nicht heran getraut. Hier der Grund:

Der Waschomat

Was aussehen mag wie eine Mischung aus Wall-E und einem Uhrzeit-Tamagotchi ist nichts anderes als ein intelligentes und durchaus praktisches System um die Wäsche zu koordinieren. Anstatt nächtlichen Waschorgien, das intrigante Stibitzen von Waschmaschinen oder die improvisierte Katzenwäsche in dem kleinen Waschbecken der Studentenbude - reservieren die Schweden elektronisch ihre Waschmaschinen.

Das System hat mich anfangs (zugegeben) etwas überfordert (alles ist natürlich nur auf Schwedisch geschrieben), aber wenn (!) man das ganze einmal verstanden hat mach das durchaus Sinn! Hier eine kleine Demonstration:

1. Schritt: anmelden! 2. Schritt: Datum, Zeit und Waschmaschine auswählen 3. Schritt: Bestätigung! 4. Schritt: Waschen!

Nach nun schon einem ganzen Monat hier in Schweden bin ich endlich, endlich eine richtige (!) „schwedische“ Studentin. Nicht nur, weil ich jetzt das erste Mal Arbeit abliefern muss, die vorübergehende Staatsbürgerschaft in Schweden erhalten habe (trotz meiner Nennung auf der schwarzen Liste der USA-Immigration, bin ich hier in Schweden anscheinend durch den Terroristenfilter gefallen!), SONDERN ich habe jetzt endlich auch ein eigenes klappriges Fahrrad. Und typisch Schwedisch fahre ich wagemutig bei Wind und Wetter mit meinem neuen (heiß geliebten) Drahtesel!

Mir fällt hier gerade ein Lied von TCHIK ein, dass ich diesem Sinne mal schnell umgeschrieben hab „Ich und mein Fahrrad [Pony], sein Name ist Super Gaby [Johnny], wir reiten Richtung Sonnenuntergang!“

Super Gabi!

Was gehört dazu, wenn man in seine neue Studentenbude zieht? Klar, eine kleine Einweihungsfeier! Letzten Freitag war es dann soweit: ruck zuck meine Mädls eingeladen, genug Cider und Tacco Chips besorgt und den Abend genossen.

Dank meiner Schwägerin habe ich nun endlich auch eine Idee was ich für mein Kunstprojekt im Intercultural Communications Kurs mache: eine Zeitmaschine! Natürlich nur rein hypothetisch – ansonsten würde sich Albert Einstein im Grab umdrehen, wenn ich Raum und Zeit überwinden könnte. Aber wer weiß, vielleicht schaffe ich es mit Kleber, Schere und viel viel Alufolie, die physikalischen Gesetze um zukehren… nach dem überraschenden Papstrücktritt diese Woche, wer weiß was sonst noch passieren kann? [und wenn ich schon einmal im Nobel-Land bin, würde es sich meiner Meinung nach anbieten…] jedenfalls: Foto folgt!

Und zu guter Letzt, will ich euch alle Daheimgebliebenen richtig eifersüchtig machen! Also NOCH eifersüchtiger, als ihr es eh schon seid, versteht sich! Wir fika-Fetischisten haben es uns zur Aufgabe gemacht während unseres Aufenthaltes in Schweden THE place to fika zu finden. Wir nehmen alle Mühen und Kalorien auf uns und vergleichen wöchentlich: Preis, Ambiente, Schmackhaftigheit der Kanelbulle, Publikum!

Hier ein paar Impressionen:

im

DIESES Café ist mein bisheriger Favorit!

Und da ihr nach dem letzten Blog Eintrag alle so fleißig kommentiert habt, will ich den ein oder anderen Kommentar aufgreifen:

- @ Rudi: nordischer Sommer? Ist das nicht ein Wiederspruch in sich? Right now it's only snowing cats and dogs

- ach und ich hoffe wirklich, dass ich Dieter Bohlen hier nicht antreffen werde, aber wer weiß? Und das mit der Elchjagthabe habe ich leider noch nicht geschafft...aber ich arbeite daran. Momentan jage ich eher nur Kanelbulle, achja und vielleicht noch den ein oder anderen großen, blonden Schweden...

Dieses Wochenende steht nun unser erster ERASMUS Ausflug nach Malmö und Kopenhagen an. Ich freue mich schon riesig und bin mega super duper hyper affen-gespannt! Ich halte euch natürlich auf dem Laufenden und werde anschließend berichten, wie es war. Bis dahin xx